Valul lui Traian
Trajanswälle
Erdwälle aus der Spätantike quer durch den Süden der Republik Moldau
45.7641° N · 28.1692° E195 km ab Chișinău

Foto: Society for Birds and Nature Protection of Moldova, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Die Valul lui Traian sind zwei lange Erdwälle mit Gräben, die den Süden der Republik Moldau von West nach Ost durchziehen: der Obere Wall von Leova bis zum Dnjestr bei Chițcani, der Untere von Vadul lui Isac am Pruth bis in die Ukraine. Trotz ihres Namens entstanden sie wahrscheinlich nicht unter Kaiser Trajan, sondern in der Spätantike. Der am besten erhaltene Abschnitt beginnt bei Vadul lui Isac im Bezirk Cahul.
Was Sie sehen
Ein Wall ist keine Mauer. Wer hierherkommt, sieht einen langen, bewachsenen Erdrücken von anderthalb bis drei Metern Höhe, auf einer Seite ein Graben. Auf den ersten 34 Kilometern des Unteren Walls, zwischen Vadul lui Isac und Tabacu am Ialpug-See, wurde am sorgfältigsten gebaut, mit einer flachen Berme zwischen Wall und Graben; dies ist der am besten erhaltene Teil. Weiter östlich, zwischen den Seen Ialpug, Catlabuga und Sasîc, ist die Bauweise einfacher. Insgesamt verläuft der Untere Wall über etwa 126 Kilometer bis bei Tatarbunary in der Ukraine. Eine parallel verlaufende Straße setzt dem Denkmal zu.
Der Obere Wall ist den Quellen zufolge 120 bis 138 Kilometer lang und verläuft von Leova durch den Bezirk Cimișlia, an Dörfern wie Grădiște und Coștangalia vorbei, nach Copanca bei Chițcani am Dnjestr.
Geschichte
Die Wälle tragen den Namen des römischen Kaisers Trajan, der zu Beginn des 2. Jahrhunderts Dakien eroberte, doch dieser Zusammenhang wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert hergestellt. In mittelalterlichen moldauischen Urkunden heißen sie „Troian“; eine erste Erwähnung stammt vom 13. März 1489. Über die Erbauer herrscht keine Einigkeit. Eine verbreitete Theorie schreibt den Oberen Wall gotischen Stämmen im 4. Jahrhundert zu, als Schutz gegen die Hunnen, und den Unteren dem Gotenführer Athanarich. Andere Forscher meinen, nur die Römer hätten das Wissen und die Arbeitskräfte für ein solches Werk gehabt.
Neuere Forschungen brachten mehr Klarheit. Bei Ausgrabungen im Herbst 2024 am Oberen Wall, an der Grenze zwischen Ecaterinovca und Ialpugeni, legten Archäologen einen Graben von 6,1 Metern Breite und fast drei Metern Tiefe frei. Keramik der Sântana-de-Mureș-Tschernjachow-Kultur deutet darauf hin, dass Wall und Graben spätestens in der zweiten Hälfte des 3. oder im 4. Jahrhundert angelegt wurden. Die südliche Weinregion Valul lui Traian trägt denselben Namen.
Tipps für Ihren Besuch
Beginnen Sie bei Vadul lui Isac, rund 17 Kilometer südlich von Cahul, im Tal des Unteren Pruth. Rechnen Sie nicht mit Einrichtungen oder ausgeschilderten Wegen: Eine Karte oder GPS-App hilft, den Wall in der Landschaft zu erkennen. Verbinden Sie den Besuch mit dem Reservat Prutul de Jos und dem Beleu-See weiter flussabwärts oder mit einer Übernachtung in Cahul. Kommen Sie im Frühjahr oder Herbst: Im Sommer ist die offene Ebene heiß und schattenlos.
Höhepunkte
- Unterer Wall von ca. 126 km
- Am besten erhaltener Teil bei Vadul lui Isac
- Erste Erwähnung 1489
- Ausgrabungen von 2024 datieren den Oberen Wall