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Städte und Regionen Region · Gagausien

Găgăuzia

Gagausien

Autonome Region der Gagausen, orthodoxer Christen mit einer Turksprache

46.3011° N · 28.6559° E101 km ab Chișinău

Găgăuzia

Foto: Nicolai_Chirnev, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons

Dokumentation · 3:18

Gagausien

Das Land der christlichen Türken im Süden der Republik Moldau

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Eine andere Moldau

Fahren Sie hundert Kilometer von Chișinău nach Süden, und die Hügel werden flacher. Die Wälder weichen der Steppe, Weinbergen und Sonnenblumen. Auf der Straße hören Sie eine Sprache, die eher an Istanbul erinnert als an Bukarest. Willkommen in Gagausien. Die Menschen hier sind orthodoxe Christen, aber ihre Muttersprache ist eine Turksprache. Sie nennen ihre Region Gagauz Yeri, das Land der Gagausen. Trotzdem ist es kein eigener Staat: Sie fahren ohne jede Grenzkontrolle hinein.

Siedler vom Balkan

Woher die Gagausen genau stammen, weiß niemand sicher. Historiker haben mehr als zwanzig Theorien aufgestellt. Fest steht dagegen, wie sie hierherkamen. Achtzehnhundertzwölf annektierte das Russische Reich Bessarabien. Die Nogaier, die in den Dörfern der südlichen Steppe lebten, mussten fortziehen. Zwischen achtzehnhundertzwölf und achtzehnhundertsechsundvierzig holte Russland Gagausen aus dem Osten des heutigen Bulgarien in diese leeren Dörfer. So entstanden Gemeinden in Comrat, Congaz und Avdarma.

Sechs Tage Republik

Die Gagausen lebten immer wieder unter einer anderen Herrschaft. Erst Russland, dann Rumänien, dann die Sowjetunion. Nur im Winter neunzehnhundertsechs waren sie kurz auf sich gestellt. Während eines Bauernaufstands rief Comrat eine eigene Republik aus. Nach sechs Tagen war es vorbei. Ende der achtziger Jahre kam die Frage nach Selbstverwaltung zurück. Nach Jahren der Spannung verabschiedete das moldauische Parlament am dreiundzwanzigsten Dezember neunzehnhundertvierundneunzig ein Gesetz über den Sonderstatus Gagausiens. Am vierzehnten Januar neunzehnhundertfünfundneunzig trat die Autonomie in Kraft. Der dreiundzwanzigste Dezember ist seitdem ein Feiertag.

Steppe und Wein

Die Landschaft ist offen und trocken. Im Sommer verdorrt das Gras, im Frühling färbt sich die Steppe grün. Die Wirtschaft lebt von der Landwirtschaft, vor allem vom Wein. Die Region zählt etwa ein Dutzend Weingüter. Daneben stellt man hier Sonnenblumenöl, Wolle, Leder und Teppiche her. Wer hier herumfährt, sieht Reihe um Reihe Rebstöcke bis zum Horizont.

Comrat und Beșalma

Comrat ist die Hauptstadt der Autonomie, mit rund neunzehntausend Einwohnern. Hier haben der gewählte Gouverneur, der Başkan, und die Volksversammlung ihren Sitz. Es gibt drei Amtssprachen: Rumänisch, Gagausisch und Russisch. Im Dorf Beșalma zeigt ein Museum die Geschichte und die Trachten des Volkes, gegründet von Dmitri Kara Ciobanu. In Vulcănești, der südlichsten Stadt der Republik Moldau, steht ein Obelisk von achtzehnhundertneunundvierzig, zur Erinnerung an eine Schlacht von siebzehnhundertsiebzig.

Eine eigene Stimme

Bei der Volkszählung von zweitausendvierundzwanzig hatte Gagausien etwas mehr als hundertdreitausend Einwohner. Mehr als acht von zehn bezeichnen sich als Gagausen. Politisch blickt die Region oft anders auf die Welt als die Hauptstadt. Beim Referendum über die Europäische Union zweitausendvierundzwanzig stimmten hier etwa fünfundneunzig Prozent dagegen. Doch die Geschichte ist bemerkenswert. Ein Bauernvolk vom Balkan, von einem Zaren in die Steppe gesetzt, erhielt seine Selbstverwaltung am Ende von einer jungen moldauischen Republik.

Fotos: Злодей Андрей (CC BY-SA 4.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Yuriy Kvach (CC BY-SA 4.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Gikü (CC0), Gikü (CC0), Gikü (CC0), Bertramz (CC BY-SA 3.0), Pudelek (CC BY-SA 4.0), Bertramz (CC BY-SA 3.0), USAID Digital Development (CC BY 2.0), Society for Birds and Nature Protection of Moldova (CC BY-SA 4.0), Nixalsverdrus (CC BY-SA 3.0), Анатолий Зубанюк (CC BY 3.0), Bertramz (CC BY-SA 3.0), Gikü (CC0), IurieSvet (CC BY-SA 4.0), Gikü (CC0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Gikü (CC0), Linnear (CC BY-SA 3.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Gikü (CC0). Stimme: synthetische Stimme (KI).

Gagausien (Găgăuzia, gagausisch Gagauz Yeri) ist eine autonome Region im Süden der Republik Moldau, 1995 geschaffen für die Gagausen: ein orthodox-christliches Volk, das eine Turksprache spricht. Die Region hat drei Städte, Comrat, Ceadîr-Lunga und Vulcănești, und zählte bei der Volkszählung 2024 103.668 Einwohner.

Warum hinfahren

Gagausien ist eine der eigenständigsten Regionen Moldaus. Sie hören Gagausisch und Russisch, sehen orthodoxe Kirchen neben Aufschriften in einer Turksprache und fahren durch Steppe voller Weinberge und Sonnenblumen. Wer sich für Minderheiten und Grenzregionen interessiert, findet hier mit ein oder zwei Tagen einen der lehrreichsten Ausflüge des Landes.

Geschichte und Charakter

Die Herkunft der Gagausen ist umstritten; Historiker haben mehr als zwanzig Theorien aufgestellt. Fest steht, dass Russland nach der Annexion Bessarabiens 1812 zwischen 1812 und 1846 Gagausen aus dem heutigen Osten Bulgariens in Dörfer holte, die die Nogaier-Tataren hatten verlassen müssen, etwa Comrat, Congaz und Avdarma. Bei einem Bauernaufstand im Winter 1906 rief Comrat für einige Tage eine eigene Republik aus.

Ende der 1980er-Jahre wuchs eine gagausische Bewegung, auch aus Unruhe über die Sprachgesetze von 1989. 1990 wurde eine gagausische Republik ausgerufen, die Chișinău nicht anerkannte. Der Kompromiss kam mit dem Gesetz über den Sonderstatus vom 23. Dezember 1994, in Kraft seit dem 14. Januar 1995. Gagausien hat drei Amtssprachen (Rumänisch, Gagausisch und Russisch), einen gewählten Gouverneur (başkan) und eine eigene Volksversammlung. Politisch ist die Region stark auf Russland ausgerichtet: Beim moldauischen EU-Referendum 2024 stimmten etwa 95 % dagegen.

Was Sie sehen und unternehmen

Comrat, mit 19.100 Einwohnern die größte Stadt, beherbergt die Institutionen der Autonomie und eine Universität. Im Dorf Beșalma zeigt das Gagausische Historisch-Ethnografische Museum Trachten, Werkzeuge und die Geschichte der Besiedlung. Congaz ist mit rund 8.300 Einwohnern laut der Volkszählung 2024 eines der fünf größten Dörfer Moldaus. In Vulcănești steht ein Obelisk von 1849 für die Schlacht am Cahul-See.

Die Wirtschaft stützt sich auf die Landwirtschaft und vor allem den Weinbau: Die Region zählt etwa ein Dutzend Weingüter.

Essen, Trinken und Übernachten

In Comrat finden Sie Hotels, Restaurants und Cafés. Die Küche mischt balkanische, türkische und moldauische Einflüsse; fragen Sie nach lokalen Spezialitäten und Hauswein. Außerhalb der Städte sind Gästehäuser rar, Comrat ist also der naheliegende Standort.

Praktisches und Tipps

Comrat liegt etwa 101 km von Chișinău entfernt, rund 1 Stunde 45 Fahrt; Busse fahren täglich. Es gibt keine Grenzkontrolle: Gagausien ist ganz normales moldauisches Staatsgebiet. Russisch ist die Umgangssprache; mit Englisch kommen Sie weniger weit als in Chișinău. Die belgischen Reisehinweise bezeichnen die Republik Moldau 2026 grundsätzlich als sicher und enthalten keinen gesonderten Hinweis für Gagausien.

Höhepunkte

  • Autonomie seit dem 14. Januar 1995
  • Drei Amtssprachen
  • Museum von Beșalma
  • Weinbau als wirtschaftliche Grundlage

Quellen

  1. Wikipedia (en): Gagauzia
  2. Wikipedia (ro): Găgăuzia
  3. NBS: Rezultatele finale RPL 2024, distribuția populației pe localități
  4. FOD Buitenlandse Zaken: laatste update reisadvies Moldavië