Cricova
Weinkeller von Cricova
Unterirdische Weinstadt mit mehr als 120 Kilometern Gängen, direkt nördlich von Chișinău
47.1330° N · 28.8500° E14 km ab Chișinău

Foto: Visem, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Foto: Gikü (talk), CC0, via Wikimedia Commons
Foto: Izbişciuc, CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
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Eine Stadt unter der Stadt
Eine Viertelstunde nördlich von Chișinău öffnet sich ein Tor in einem Hügel. Dahinter liegt kein gewöhnlicher Keller, sondern eine Stadt. Mehr als hundertzwanzig Kilometer Gänge, angelegt wie Straßen, breit genug für Autos und eine elektrische Bahn. Das ganze Jahr über herrschen hier zwölf bis vierzehn Grad. Die Luft ist feucht und still. Das ist Cricova, eines der bekanntesten Weingüter der Republik Moldau, und fast alles, was es besonders macht, liegt unter der Erde.
Stein für die Hauptstadt
Die Gänge sind älter als das Weingut. Jahrhundertelang wurde hier Kalkstein gebrochen, der helle Baustoff, aus dem ein großer Teil von Chișinău errichtet ist. Zurück blieben leere Steinbrüche bis zu achtzig Meter tief. Laut dem Antrag bei der Unesco umfasst der unterirdische Teil fast fünfundachtzig Hektar. Neunzehnhundertzweiundfünfzig sah man darin etwas anderes: einen natürlichen Keller. Man richtete dort eine Schaumweinfabrik ein. Die gleichbleibende Kühle tat den Rest.
Perlen auf die alte Art
Cricova stellt Schaumwein nach der traditionellen Methode her. Die zweite Gärung findet in der Flasche selbst statt, und der Wein reift monatelang auf der Hefe. Das Prinzip ist dasselbe wie in der Champagne, nur sind die Keller hier von Natur aus kühl. Nach eigenen Angaben arbeitete das Haus als erstes im Land so. Laut dem Unesco-Dossier der Republik Moldau verlassen jedes Jahr etwa zwei Millionen Flaschen Schaumwein diese Keller.
Eine Flasche von 1902
Tief in den Gängen liegt die nationale Vinothek. Sie entstand neunzehnhundertvierundfünfzig und umfasst heute fast eins Komma drei Millionen Flaschen. Ihr Prunkstück ist ein roter Dessertwein von neunzehnhundertzwei, die letzte Flasche einer Partie von vierhundert. Auch ein tschechischer Kräuterlikör aus demselben Jahr lagert hier. Ein anderer Teil der Sammlung hat eine dunklere Vergangenheit. Es sind Weine, die Hermann Göring zugeschrieben werden und nach dem Zweiten Weltkrieg über Moskau nach Cricova gelangten.
Verkosten unter der Erde
Besucher fahren mit einer kleinen elektrischen Bahn durch die unterirdischen Straßen. Sie sehen einen kurzen Film in einem Kino unter der Erde und enden in einem der Verkostungsräume. Führungen müssen im Voraus gebucht werden, und es gibt sie in mehreren Sprachen. Laut dem Unesco-Dossier kamen im Jahr zweitausendneunzehn fast hunderttausend Besucher. Am Eingang serviert ein Restaurant moldauische Gerichte zu den Weinen des Hauses. Wer ohne Auto kommt, nimmt ein Taxi. Die Fahrt vom Zentrum dauert etwa zwanzig Minuten.
Erbe im Werden
Zweitausenddrei wurde Cricova zum nationalen Kulturerbe erklärt. Zweitausendfünfundzwanzig setzte die Republik Moldau die Keller zusammen mit denen von Mileștii Mici auf die vorläufige Liste des Unesco-Welterbes. So bekam ein alter Steinbruch, einst ausgehoben, um eine Hauptstadt zu bauen, eine neue Rolle. Über der Erde wächst die Stadt. Darunter reift der Wein, in derselben Stille wie vor siebzig Jahren.
Fotos: Izbişciuc (CC BY-SA 4.0), Alexander Murvanidze (CC BY-SA 3.0), Mutialulu (CC0), Alexander Murvanidze (CC BY-SA 3.0), Cepaev (CC BY-SA 3.0), Thomas Bjørkan (CC BY-SA 3.0), Photobank MD (CC0), Mgalal20 (CC BY-SA 4.0), W.carter / Ann-Sophie Qvarnström (CC BY-SA 2.0), Amanda Slater (CC BY-SA 2.0), Tomas er (CC BY-SA 3.0), Craig Hatfield (CC BY 2.0), Cynwolfe (CC BY-SA 4.0), daryl_mitchell from Saskatoon, Saskatchewan, Canada (CC BY-SA 2.0), Kolmkolm (CC BY-SA 4.0), Vyacheslav Argenberg (CC BY 2.0), Veni from New York, USA (CC BY 2.0), Missvain (CC BY 4.0), Missvain (CC BY 4.0), JIP (CC BY-SA 4.0), Randy OHC (CC BY 2.0), Danie van der Merwe (CC BY 2.0), Izbişciuc (CC BY-SA 4.0), Vladikh (CC BY-SA 4.0), USAID Digital Development (CC BY 2.0), Nixalsverdrus (CC BY-SA 3.0), Анатолий Зубанюк (CC BY 3.0), User:Zserghei (Public domain). Stimme: synthetische Stimme (KI).
Cricova ist ein staatliches Weingut mit mehr als 120 Kilometern unterirdischer Gänge in einem alten Kalksteinbruch, eine Viertelstunde nördlich von Chișinău. Es begann 1952 als Schaumweinfabrik und bewahrt eine Sammlung von etwa 1,3 Millionen Flaschen. Seit 2025 steht es zusammen mit Mileștii Mici auf der vorläufigen Welterbeliste der UNESCO.
Das Weingut und seine Geschichte
Unter dem Städtchen Cricova wurde jahrhundertelang Kalkstein gebrochen, das Baumaterial für einen großen Teil von Chișinău. 1952 bekamen die verlassenen Steinbrüche eine neue Bestimmung: Hier wurde eine Schaumweinfabrik eingerichtet, die die kühlen Gänge als Keller nutzte. Die Gänge sind wie Straßen angelegt und breit genug für Fahrzeuge. Insgesamt ist das Netz mehr als 120 Kilometer lang und reicht stellenweise bis 80 Meter in die Tiefe.
2003 erhielt Cricova den Status eines nationalen Kulturerbes. 2025 reichte die Republik Moldau bei der UNESCO das Dossier The Underground Wineries of Moldova ein, das Cricova und Mileștii Mici gemeinsam vorschlägt. Laut diesem Dossier empfing Cricova 2019 fast 100.000 Besucher.
Die Keller und die Weine
Das ganze Jahr über herrschen in den Gängen 12 bis 14 °C bei einer Luftfeuchtigkeit von 97 bis 98 %. Diese Bedingungen sind ideal für Schaumwein mit Flaschengärung. Cricova bezeichnet sich als erstes Unternehmen im Land, das Spumant nach der traditionellen Methode herstellte, mit der zweiten Gärung in der Flasche. Das UNESCO-Dossier nennt eine Produktion von etwa zwei Millionen Flaschen Schaumwein pro Jahr.
Die nationale Vinothek, 1954 begonnen, zählt fast 1,3 Millionen Flaschen. Ihr Prunkstück ist ein Ierusalim de Paști, ein roter Dessertwein von 1902 und die einzige verbliebene Flasche einer Partie von 400. Ein anderer Teil stammt aus der Weinsammlung, die Hermann Göring zugeschrieben wird und nach dem Krieg über Moskau hierher gelangte.
Besuch und Verkostung
Besuche sind nur mit Führung möglich und müssen vorab über die Website von Cricova reserviert werden; spontan vorbeizuschauen klappt in der Regel nicht. Eine kleine elektrische Bahn bringt Sie durch die unterirdischen Straßen, und in einem unterirdischen Kino sehen Sie einen kurzen Film über das Haus. Verkostungen werden separat gebucht, in Paketen mit unterschiedlich vielen Weinen und Häppchen. Führungen gibt es in mehreren Sprachen, darunter Englisch. Am Eingang liegt das Restaurant Regatul Vinului, das moldauische Gerichte zu den Weinen des Hauses serviert. Vom Zentrum von Chișinău dauert die Fahrt mit Taxi oder Auto etwa 20 Minuten.