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Gerichte und Weine Gerichte

Mămăligă

Maisbrei

Fester Maisbrei, der in der Moldau jahrhundertelang das Brot ersetzte, mit einem Faden geschnitten

Mămăligă

Foto: Kagor, CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

Dokumentation · 3:07

Mămăligă

Der Maisbrei, der in der Republik Moldau das Brot ersetzte

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Ein Faden als Messer

In einer moldauischen Küche schneidet man das wichtigste Essen des Tages nicht mit dem Messer, sondern mit einem Faden. Auf einem Holzbrett liegt ein runder, dampfender Laib, goldgelb und fest. Das ist Mămăligă, ein Brei aus Maismehl, Wasser und Salz. Jahrhundertelang ersetzte sie auf dem Land das Brot, und noch heute gehört sie zu fast jeder traditionellen Mahlzeit. Ein Gericht aus beinahe nichts: drei Zutaten und eine halbe Stunde Arbeit. Doch erzählt es die Geschichte eines ganzen Landes.

Von Hirse zu Mais

Lange vor dem Mais kochten die Bauern hier schon Hirsebrei. Die Römer nannten so etwas Pulmentum. Mais kam erst im sechzehnten Jahrhundert aus Amerika nach Europa. Laut dem Historiker Nicolae Iorga bauten die Bauern in den rumänischen Fürstentümern, auch in der Moldau, die Pflanze schon in der ersten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts an. In den folgenden Hungerjahren wurde Mais zum Grundnahrungsmittel auf dem Land. Hier heißt die Pflanze bis heute Păpușoi.

Der Ceaun und der Löffel

Die Zubereitung verlangt Geduld und einen kräftigen Arm. Das Maismehl rieselt dünn in kochendes Salzwasser, traditionell in einem gusseisernen Kessel, dem Ceaun. Dann wird knapp eine halbe Stunde gerührt. Der Brei ist fertig, wenn ein Holzlöffel aufrecht darin stehen bleibt. Mit einem Schwung wird er auf das Brett gestürzt. Weil er an Metall klebt, schneidet man die Scheiben mit einem Faden. Zu Schmorgerichten kocht man ihn weicher, fast wie Püree. Je fester der Brei, desto mehr gleicht er Brot und desto besser trägt er eine Mahlzeit.

Käse, Sahne und Knoblauch

Mămăligă kommt selten allein. Die klassische Begleitung ist Brânză, ein weißer, gesalzener Schafskäse, mit Smântână, saurer Sahne. Dazu gibt es oft Mujdei, eine scharfe Soße aus zerdrücktem Knoblauch. Sie gehört zu Tochitură, im eigenen Fett geschmortem Schweinefleisch, zu Sarmale und zu gebratenem Fisch. Mit Rührei oder Gemüseeintopf ist sie eine vollständige fleischlose Mahlzeit. Was übrig bleibt, wird am nächsten Tag in Scheiben gebraten oder zerbröckelt in warmer Milch gegessen.

Vom Bauernbrei zum Symbol

Was als Arme-Leute-Essen begann, wurde zu einem nationalen Symbol, auf beiden Seiten des Pruth. Der Historiker Alex Drace-Francis von der Universität Amsterdam widmete ihr zweitausendzweiundzwanzig ein ganzes Buch. Als die Republik Moldau im Juni zweitausenddreiundzwanzig den Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft ausrichtete, bekamen siebenundvierzig Staatschefs und Regierungschefs Mămăligă auf den Teller, gefüllt mit Käse und verfeinert mit schwarzem Trüffel.

Vier Jahrhunderte auf einem Brett

Rumänen essen dasselbe Gericht, Ukrainer kennen einen verwandten Maisbrei, und auf dem Balkan heißt er Kačamak. Doch steckt in jeder moldauischen Mămăligă ein Stück eigener Geschichte: die einer Pflanze aus Amerika, die hier einen eigenen Namen bekam, und die eines Bauernbreis, der vier Jahrhunderte später noch immer mit einem Faden geschnitten wird.

Fotos: Victor (comradevik) (Public domain), Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0), Ion.bostan (CC BY-SA 3.0), dronepicr (CC BY 2.0), Nicubunu (CC BY-SA 3.0), Roger Culos (CC BY-SA 4.0), Nandhinikandhasamy (CC BY-SA 4.0), Roger Culos (CC BY-SA 3.0), Wikimedia Commons (Public domain), Shixart1985 (CC BY 2.0), Lily15 (CC BY-SA 3.0), Popo le Chien (CC BY-SA 3.0), Miansari66 (Public domain), Obsidian Soul (CC0), Nicubunu (CC BY-SA 3.0), Peachyeung316 (CC BY-SA 4.0), jules (CC BY 2.0), E4024 (CC BY-SA 4.0), T.Tseng (CC BY 2.0), Julian Nyča (CC BY-SA 4.0), Diego Delso (CC BY-SA 3.0), Tomasz Bladyniec (CC BY 4.0), Sietske (CC BY-SA 3.0), Tiia Monto (CC BY-SA 4.0), Peace Batuma (CC BY-SA 4.0), edykbo (CC BY 3.0), Stiopa (CC BY-SA 3.0). Stimme: synthetische Stimme (KI).

Mămăligă ist ein fester Brei aus Maismehl, Wasser und Salz, der auf dem moldauischen Land jahrhundertelang das tägliche Brot ersetzte. Sie kommt warm auf den Tisch, mit Brânză (gesalzenem Schafskäse), Smântână (saurer Sahne) und oft Mujdei, einer scharfen Knoblauchsoße. Die Republik Moldau teilt das Gericht mit Rumänien; in der Ukraine und auf dem Balkan gibt es verwandte Maisbreie.

Herkunft und Geschichte

Lange bevor es Mais gab, kochten die Bauern der Gegend einen Brei aus Hirsemehl, den die Römer pulmentum nannten. Der Mais erreichte Europa im 16. Jahrhundert. Laut dem Historiker Nicolae Iorga bauten die Bauern in den rumänischen Fürstentümern, die Moldau eingeschlossen, die Pflanze schon in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an. In den Hungerjahren des 17. und 18. Jahrhunderts wurde Mais zum Grundnahrungsmittel auf dem Land. In der Moldau heißt die Pflanze bis heute păpușoi, während man in Siebenbürgen cucuruz sagt.

Der Historiker Alex Drace-Francis beschrieb in The Making of Mămăligă (2022), wie der Bauernbrei zum Nationalsymbol aufstieg. Als die Republik Moldau am 1. Juni 2023 den Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft ausrichtete, bekamen die 47 Staats- und Regierungschefs eine neu interpretierte Mămăligă mit Burduf-Käse und schwarzem Trüffel.

Wie sie zubereitet wird

Das Maismehl wird unter ständigem Rühren in kochendes Salzwasser gestreut, traditionell in einem gusseisernen Kessel, dem Ceaun. Nach knapp einer halben Stunde Rühren ist der Brei so fest, dass er sich als runder, goldgelber Laib auf ein Holzbrett stürzen lässt. Weil er an Metall kleben bleibt, schneidet man ihn mit einem Faden in Scheiben und nicht mit dem Messer. Eine weichere Variante dient als Beilage zu Schmorgerichten. Reste werden in Scheiben gebraten oder zerkrümelt in warmer Milch gegessen, als Mămăligă cu lapte.

Wo und wie Sie sie probieren

Mămăligă gehört zu Tochitură, Sarmale, gebratenem Fisch und allerlei Eintöpfen. Die klassische Kombination ist Mămăligă cu brânză și smântână: zerbröselter Schafskäse und saure Sahne dazu, mit Mujdei für alle, die Knoblauch mögen. Restaurants mit moldauischer Küche in Chișinău haben sie fast immer auf der Karte, und in Dorfpensionen kommt sie als selbstverständliche Beilage auf den Tisch. Mit Rührei oder einem Gemüseeintopf dazu ist sie eine vollwertige vegetarische Mahlzeit. Der Unterschied zur italienischen Polenta liegt vor allem im Gebrauch: Hier ist Mămăligă keine Beilage am Rand, sondern die Grundlage der Mahlzeit.

Rezept

Mămăligă

Für
4 Personen
Zeit
ca. 35 Minuten

Zutaten

Zubereitung

  1. Das Wasser mit dem Salz in einem schweren Topf mit dickem Boden zum Kochen bringen.
  2. Das Maismehl in dünnem Strahl in das kochende Wasser rieseln lassen und dabei ständig mit einem Holzlöffel rühren, damit keine Klümpchen entstehen.
  3. Die Hitze reduzieren und 25 bis 30 Minuten sanft garen lassen. Regelmäßig rühren und den Brei dabei immer wieder gegen die Topfwand drücken.
  4. Die Butter unterrühren. Die Mămăligă ist fertig, wenn sie sich von der Topfwand löst und ein Löffel aufrecht darin stehen bleibt.
  5. Den Brei auf ein Holzbrett stürzen, 2 Minuten ruhen lassen und mit einem festen Faden in Scheiben schneiden.
  6. Warm mit zerbröselter Brânză, saurer Sahne und nach Belieben Mujdei servieren.

Quellen

  1. Mămăligă (Wikipedia)
  2. Moldova's culinary delights (moldova.travel)
  3. A. Drace-Francis, The Making of Mămăligă (CEU Press, 2022)
  4. Patrimoniul gastronomic al Moldovei la summitul CPE (Euronews România, 2023)
  5. What to eat and drink in Moldova (A Social Nomad)