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Sehenswürdigkeiten Festungen und Archäologie

Orheiul Vechi

Alt-Orhei, archäologische Landschaft und Felsenkloster

Kalksteinschlucht mit Höhlenklöstern, getischen Burgen und einer Stadt der Goldenen Horde

47.3056° N · 28.9750° E51 km ab Chișinău

Orheiul Vechi

Foto: Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway, CC BY 2.0, via Wikimedia Commons

Dokumentation · 3:08

Orheiul Vechi

Zweitausend Jahre Geschichte in einer Schlucht aus Kalkstein

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Ein Fluss im Fels

Gut fünfzig Kilometer nördlich von Chișinău tut ein kleiner Fluss etwas Unerwartetes. Der Răut schneidet sich tief in eine Kalksteinhochebene und windet sich in weiten Schleifen hindurch. Zusammen sind diese Biegungen etwa sieben Kilometer lang. Sie umschließen zwei Felsrücken mit steilen Wänden. Das ganze Tal bildet eine Art Amphitheater von dreieinhalb Kilometern Breite. Das ist Orheiul Vechi, Alt-Orhei. Es ist die wichtigste archäologische Landschaft der Republik Moldau, und wer genau hinsieht, merkt, dass hier fast jeder Felsen eine Geschichte trägt.

Die Burgen der Geten

Die ältesten Spuren sind mehr als zweitausend Jahre alt. Zwischen dem sechsten und dem dritten Jahrhundert vor Christus bauten die Geten hier Befestigungen. Sie nutzten Gräben, Erdwälle und die natürlichen Klippen zur Verteidigung. Auf dem Felsrücken beim Dorf Butuceni fanden Archäologen auch ein kreisförmiges Heiligtum. Laut dem Dossier, das die Republik Moldau bei der Unesco eingereicht hat, ist es das älteste seiner Art in der getischen Welt.

Eine Stadt der Goldenen Horde

In der ersten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts kam eine ganz andere Welt. Die Goldene Horde, das Reich der mongolischen Khane, gründete im Tal die Stadt Șehr al-Cedid. Es gab einen Palast, eine Moschee, eine Karawanserei, ein Mausoleum und drei Badehäuser. Um das Jahr dreizehnhundertneunundsechzig verschwanden die Mongolen. Auf den Resten bauten die Moldauer ihre eigene Stadt Orhei, die bis etwa fünfzehnhundertvierzig bestand.

Mönche in der Wand

Im fünfzehnten Jahrhundert begannen Mönche, Höhlen in den Kalkstein zu schlagen. Entlang des Flusses zählen Forscher heute etwa zweihundert. Das bekannteste Höhlenkloster liegt in der Wand des Felsrückens Peștera. Ein schmaler Gang führt zu einer Kapelle und zwölf kleinen Zellen. Im Fels stehen Inschriften aus den sechzehnhundertneunziger Jahren, als die Höhlen auch als Zuflucht dienten. Bis heute leben hier einige Mönche. Sie kümmern sich um die Kirche oben auf dem Hügel.

Das Dorf Butuceni

Am Fuß des Felsrückens liegt das Dorf Butuceni. In einem restaurierten Bauernhaus zeigt ein ethnografisches Museum, wie man hier am Ende des neunzehnten Jahrhunderts lebte. Das Haus wurde mit traditionellen Materialien und Techniken wiederhergestellt. In den Pensionen von Butuceni und Trebujeni können Sie übernachten. Das nationale Tourismusamt empfiehlt das auch. Wer bleibt, sieht die Schlucht im frühen Morgenlicht, bevor die Besucher kommen.

Eine Landschaft als Archiv

Das Reservat wurde neunzehnhundertachtundsechzig gegründet. Seit zweitausendsiebzehn steht Orheiul Vechi auf der vorläufigen Liste des Welterbes. In der Landschaft zählen Archäologen mehr als tausend Strukturen, und nur ein Teil davon ist erforscht. Geten, Mongolen, moldauische Fürsten und Mönche hinterließen hier jeweils ihre Schicht. Jede Schicht erzählt, wem das Tal in jenem Moment die Verteidigung wert war. Der Fluss fließt noch immer darum herum, als bewache er das Archiv, das er selbst ausgewaschen hat.

Fotos: Julian Nyča (CC BY-SA 4.0), Denissemihov (CC BY-SA 4.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Jbuket (CC BY-SA 4.0), Iurieph (CC0), Iurieph (CC0), Vladikh (CC BY-SA 4.0), Анатолий Зубанюк (CC BY 3.0), Iurieph (CC0), Gganebnyi (CC BY-SA 4.0), Eugene Patrashko (CC BY-SA 4.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Diego Delso (CC BY-SA 4.0), inyucho from Holland (CC BY 2.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), WikiLies (CC BY-SA 4.0), Анатолий Зубанюк (CC BY 3.0), Iurieph (CC0), Анатолий Зубанюк (CC BY 3.0), SerKo Photography (CC BY-SA 4.0), Andrey from Russia (CC BY 2.0), Guttorm Flatabø from Sogndal, Norway (CC BY 2.0), Dave Proffer (CC BY 2.0), Tolea93 (CC BY-SA 4.0). Stimme: synthetische Stimme (KI).

Orheiul Vechi ist eine Kalksteinschlucht, durch die sich der Răut in weiten Schleifen windet und in der über zwei Jahrtausende Besiedlung übereinanderliegen: getische Burgen, eine Stadt der Goldenen Horde, das mittelalterliche Orhei und in den Fels gehauene Höhlenklöster. Es ist die wichtigste archäologische Landschaft der Republik Moldau und steht seit 2017 auf der UNESCO-Vorschlagsliste. In der Felswand leben bis heute Mönche.

Was Sie sehen

Bei den Dörfern Trebujeni und Butuceni, gut 50 Kilometer nördlich von Chișinău, hat sich der Răut tief in ein Kalksteinplateau eingeschnitten. Die Mäander des Flusses sind zusammen rund 7 Kilometer lang und umschließen zwei große Felssporne, Peștera und Butuceni. So entsteht eine Art Amphitheater von etwa 3,5 auf 1,5 Kilometer, mit steilen Wänden über einem grünen Tal.

Am bekanntesten ist das Höhlenkloster in der Wand des Peștera-Sporns. Ein schmaler Gang führt zu einer Kapelle und zu Zellen, die in den Fels gehauen wurden; nach Angaben der Reservatsleitung zählte das Kloster zwölf Zellen. Oben auf dem Sporn steht eine Kirche, um die sich eine kleine Gemeinschaft von Mönchen kümmert. Laut dem UNESCO-Dossier zählt die Schlucht rund 200 in den Fels gehauene Höhlen. Im Dorf Butuceni zeigt ein ethnografisches Museum ein Bauernhaus aus dem späten 19. Jahrhundert, restauriert mit traditionellen Materialien.

Geschichte

Laut dem UNESCO-Dossier errichteten die Geten hier zwischen dem 6. und dem 3. Jahrhundert vor Christus eine Reihe von Befestigungen mit Gräben, Wällen und einem kreisförmigen Heiligtum auf dem Butuceni-Sporn. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts gründete die Goldene Horde im Tal die Stadt Șehr al-Cedid, mit einem Palast, einer Moschee, einer Karawanserei, einem Mausoleum und drei Badehäusern. Nach 1368-1369 entstand auf diesen Resten das moldauische Orhei, eine Festungsstadt, die bis etwa 1540 Bedeutung hatte; Mitte des 16. Jahrhunderts wurden die Befestigungen geschleift, und das Leben verlagerte sich in das heutige Orhei.

Die ältesten Höhlenklöster stammen aus dem 15. Jahrhundert. Kirchenslawische Inschriften aus den 1690er-Jahren deuten darauf hin, dass die Höhlen auch als Versteck dienten. Das Reservat besteht seit 1968, und die Republik Moldau arbeitet an einer vollständigen Aufnahme ins UNESCO-Welterbe.

Tipps für Ihren Besuch

Rechnen Sie mit einem halben Tag für das Höhlenkloster, den Grat und einen Spaziergang am Fluss, mit einem ganzen Tag, wenn Sie auch die Ruinen im Tal und das Museum sehen möchten. Der Weg zum Grat ist kurz, aber steil und kann nach Regen rutschig sein. Im Kloster gelten die üblichen orthodoxen Kleiderregeln.

Das nationale Tourismusamt moldova.travel empfiehlt, in Butuceni oder Trebujeni zu übernachten: Morgens und abends ist es dort still, und das Licht über der Schlucht ist am schönsten. In beiden Dörfern gibt es Pensionen, die selbst kochen.

Höhepunkte

  • Höhlenkloster mit Zellen und Kapelle in der Kalksteinwand des Peștera
  • Blick vom Grat auf die Schleifen des Răut
  • Reste der Stadt Șehr al-Cedid der Goldenen Horde aus dem 14. Jahrhundert im Tal
  • Getische Befestigungen auf dem Butuceni-Sporn
  • Ethnografisches Museum und Pensionen in Butuceni

Quellen

  1. UNESCO Tentative Lists, Orheiul Vechi Archaeological Landscape
  2. Radio Romania International, The Old Orhei museum compound
  3. Moldova.travel, Orheiul Vechi
  4. Wikipedia, Old Orhei